Eremitage Sankt Petersburg: Alles, was Sie vor Ihrem Besuch wissen müssen
Die Eremitage ist nicht einfach ein Museum. Sie ist ein Universum aus Gold, Marmor und jahrhundertealter Kunst – und sie macht jeden Besucher sprachlos. Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten Besuch vor einigen Jahren: Ich stand im Jordan-Treppenhaus, blickte nach oben und dachte nur: Wo fange ich hier bloß an?
Diese Frage beschäftigt wohl jeden, der das Museum zum ersten Mal betritt. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Vorbereitung wird aus einem überwältigenden Erlebnis ein unvergesslicher Tag. In diesem Artikel teile ich meine Erfahrungen und gebe Ihnen alle wichtigen Informationen – von den Öffnungszeiten über die Tickets bis zu den Werken, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Eremitage in Sankt Petersburg zählt rund 3 Millionen Exponate, von denen etwa 65.000 in 350 Sälen ausgestellt sind
- Der Winterpalast bildet das Herzstück des Museumskomplexes, der aus fünf miteinander verbundenen Gebäuden besteht
- Die Sammlung geht auf Katharina die Große zurück, die 1764 die ersten Gemälde erwarb
- Mit über 350 Sälen benötigen Besucher mehrere Tage, um alles zu sehen – eine gute Planung ist essenziell
- Die berühmten Eremitage-Katzen patrouillieren seit Jahrhunderten durch die Kellergewölbe des Palastes
Die Eremitage verstehen: Mehr als nur ein Museum
Kurz gesagt: Die Eremitage ist einer der größten und bedeutendsten Kunstmuseen der Welt. Aber das sagt noch nichts über das eigentliche Erlebnis aus. Stellen Sie sich einen Palastkomplex vor, der fast doppelt so groß ist wie der Vatikan – gefüllt mit Werken von Leonardo da Vinci, Rembrandt, Tizian und Rubens.
Das Museum erstreckt sich über fünf Gebäude entlang der Newa: den Winterpalast, die Kleine Eremitage, die Alte Eremitage, die Neue Eremitage und das Eremitage-Theater. Der Winterpalast war einst die offizielle Residenz der russischen Zaren – und genau das spürt man beim Durchwandern der Prunksäle.
Die Geschichte der Sammlung
Die Ursprünge reichen bis ins Jahr 1764 zurück, als Katharina die Große eine erste Sammlung von 225 Gemälden aus Berlin erwarb. Der Name „Eremitage" kommt vom französischen Wort ermitage (Einsiedelei) – die Kaiserin nutzte die ersten Räume als privaten Rückzugsort, zu dem nur ein ausgewählter Kreis Zutritt hatte.
Was mich persönlich am meisten fasziniert: Diese Frau hat in nur wenigen Jahrzehnten eine Sammlung aufgebaut, die heute zu den wertvollsten der Welt gehört. Sie kaufte nicht nur Kunst, sie verstand sie auch – und korrespondierte mit den wichtigsten Denkern ihrer Zeit.
Die schiere Größe in Zahlen
Die Dimensionen sind schwer zu fassen: Rund 3 Millionen Objekte umfasst die Sammlung heute. Wenn Sie bei jedem Exponat nur eine Minute verweilen würden, bräuchten Sie – rechnen Sie selbst – mehrere Jahre ohne Pause.
Ein realistischer Besuch erfordert daher klare Prioritäten. Versuchen Sie nicht, „alles" zu sehen. Das schafft niemand – auch nicht an einem langen Tag.
Öffnungszeiten und bester Zeitpunkt für den Besuch
Die Eremitage hat in der Regel von Dienstag bis Sonntag geöffnet, der Montag ist traditionell Ruhetag. Die genauen Öffnungszeiten variieren je nach Saison – im Winter schließt das Museum früher, im Sommer bleibt es länger geöffnet. Am besten prüfen Sie die aktuellen Zeiten kurz vor Ihrer Reise auf der offiziellen Website.
Mein persönlicher Tipp: Besuchen Sie das Museum direkt zur Öffnungszeit und beginnen Sie mit den berühmtesten Räumen. Die Massen von Reisegruppen treffen meist zwischen 10 und 11 Uhr ein. Wer um 10:30 Uhr durch die Prunksäle schlendert, hat oft noch Momente fast völliger Stille – ein unbezahlbares Erlebnis.
Die beste Jahreszeit
Ehrlich gesagt: Das Wetter in Sankt Petersburg ist unberechenbar. Im Sommer (Juni bis August) herrschen die „Weißen Nächte" mit fast rund um die Uhr Helligkeit – Magdalena, eine Reisebloggerin, die ich kenne, schwärmt noch heute davon. Der Nachteil: In dieser Zeit ist die Eremitage am vollsten.
Der Herbst ist meiner Erfahrung nach die heimliche Geheimwaffe. Die Touristenströme ebben ab, die Beleuchtung in den Sälen wirkt bei gedämpftem Tageslicht noch dramatischer – und die Warteschlangen sind deutlich kürzer.
Wochentage entscheiden über Ihren Komfort
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Der Mittwoch ist statistisch der ruhigste Tag der Woche, der Samstag der vollste. Wenn Sie flexibel planen können, wählen Sie einen Wochentag außerhalb der russischen Schulferien und Feiertage.
Tickets für die Eremitage: Preise und Buchung
Die Preise für Eintrittskarten haben sich in den letzten Jahren mehrfach geändert – und die Unterschiede zwischen ausländischen und russischen Besuchern sind erheblich. Für ausländische Gäste liegt der Standardeintritt derzeit bei etwa 2.500 bis 3.000 Rubel (umgerechnet ungefähr 25 bis 30 Euro), je nach Saison und Wechselkurs.
Kinder, Studenten und Rentner erhalten in der Regel Ermäßigungen – allerdings nur mit entsprechenden Nachweisen. Für EU-Bürger gilt: Der europäische Studierendenausweis wird oft nicht anerkannt, internationale Studentenausweise (ISIC) sind sicherer.
Mein dringender Rat: Buchen Sie Tickets im Voraus online. Die offizielle Website der Eremitage bietet ein Buchungssystem – und erspart Ihnen stundenlanges Anstehen an der Kasse. Ich habe den Fehler einmal gemacht, spontan hinzugehen. Ergebnis: zwei Stunden in der Schlange bei kaltem Wind. Nie wieder.
Gibt es Kombitickets?
Ja, die Eremitage bietet auch Kombitickets an, die den Eintritt zu mehreren Standorten ermöglichen – etwa zum Generalstabsgebäude und zur Menshikov-Palast. Diese lohnen sich, wenn Sie vorhaben, mehrere Standorte zu besuchen.
Beachten Sie: Die berühmte Bernsteinzimmer-Dependance in Zarskoje Selo (Zarendorf) liegt etwa 25 Kilometer außerhalb der Stadt und erfordert eine separate Eintrittskarte. Viele Besucher verwechseln das – die Eremitage selbst beherbergt keine Bernsteinzimmer-Kopie.
Die wichtigsten Werke, die Sie gesehen haben müssen
Nach mehreren Besuchen habe ich eine klare Rangliste dessen, was man wirklich nicht verpassen sollte:
- Die Hängenden Gärten der Kleinen Eremitage – ein architektonisches Wunderwerk mit Pflanzen, die durch das Glasdach beleuchtet werden
- Der Thronsaal von Sankt Georg – der prächtigste Saal des Winterpalastes mit dem Thron, auf dem die Zaren ihre Empfänge abhielten
- Die Gemälde von Leonardo da Vinci – die Eremitage besitzt zwei Werke des Meisters, darunter die „Madonna Litta"
- Die Rembrandt-Sammlung – mit über 20 Gemälden eine der größten der Welt
- Die Goldene Wohnzimmer-Suite von Zarin Alexandra – ein Raum, der vor Gold fast blendet
Aber das Beste kommt noch: Das berühmteste einzelne Objekt der Eremitage ist die Pfauen-Uhr – eine automatisierte Uhr aus dem 18. Jahrhundert, bei der sich ein mechanischer Pfau entfaltet und dreht, während die Uhr schlägt. Sie wird zu bestimmten Zeiten vorgeführt, und ehrlich gesagt: Selbst als jemand, der sonst keinen besonderen Bezug zu Uhren hat, war ich tief beeindruckt.
Wo genau finden Sie diese Werke?
Die Prunksäle des Winterpalastes befinden sich im ersten Stock (zur Newa hin). Die Kunstwerke der Neuen Eremitage – darunter die Rembrandts – liegen im zweiten Stock. Verlassen Sie sich nicht nur auf Ihr Gefühl: Nehmen Sie sich an der Kasse einen kostenlosen Museumsplan oder nutzen Sie die offizielle App der Eremitage.
Ich habe einmal stolze 45 Minuten lang die Rembrandt-Säle gesucht – und stand am Ende vor einer Baustelle. Mit Plan hätte ich 10 Minuten gebraucht.
Die Eremitage-Katzen: Die heimlichen Stars
Ja, Sie haben richtig gelesen: Die Eremitage hat Katzen – und sie sind seit Jahrhunderten offiziell angestellt. Die Geschichte geht auf Kaiserin Elisabeth zurück, die im 18. Jahrhundert Katzen in den Palast brachte, um die Rattenplage in den Lagerräumen zu bekämpfen.
Bis heute leben etwa 50 bis 70 Katzen in den Kellern des Museums. Sie haben eigene Pässe, werden von einem Futtergeber-Team versorgt und haben sogar einen offiziellen Pressesprecher – einen der Kuratoren, der für die „Katzenfragen" der Presse zuständig ist.
Für Besucher sind die Katzen meist unsichtbar – sie halten sich in den nicht-öffentlichen Bereichen auf. Aber wenn Sie Glück haben, sehen Sie im Sommer eine Katze auf den Innenhöfen dösen. Ein schöner Nebeneffekt Ihres Besuchs: Die Katzen sind offiziell Teil des Museumsbestands und werden aus dem Museumsbudget bezahlt.
Die Bernsteinzimmer-Frage: Was Sie wissen sollten
Die „Bernsteinzimmer-Touristen" sind eine eigene Kategorie von Besuchern – und ich verstehe sie. Das Original war eines der spektakulärsten Kunstwerke der Welt: ein kompletter Raum aus Bernsteinplatten, den preußische Handwerker im 18. Jahrhundert schufen.
Die Geschichte ist tragisch: Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bernsteinzimmer von deutschen Truppen demontiert und nach Königsberg gebracht. Seitdem gilt es als verschollen – vermutlich bei einem Bombenangriff 1944 verbrannt.
Wichtig für Sie: Die Eremitage beherbergt keine Bernsteinzimmer-Kopie. Die berühmte Rekonstruktion befindet sich im Katharinenpalast in Zarskoje Selo (Puschkin), etwa 25 Kilometer südlich von Sankt Petersburg. Diese Rekonstruktion ist eines der Meisterwerke der Restaurierungskunst – und eine eigene Reise wert.
Häufige Besucherfragen
Wie groß ist die Eremitage genau?
Die Eremitage erstreckt sich über 5 Gebäude mit mehr als 350 Sälen und rund 230.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Die reine Museumsfläche beträgt dabei etwa 66.000 Quadratmeter – das entspricht mehr als neun Fußballfeldern. Wenn Sie einen Tag einplanen, sehen Sie realistisch nur einen Bruchteil.
Wie viele Bilder hat die Eremitage?
Die Gemäldesammlung umfasst rund 17.000 Werke der europäischen Malerei vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Zusammen mit Skulpturen, Grafiken, angewandter Kunst und archäologischen Funden ergibt sich die Gesamtzahl von etwa drei Millionen Objekten.
Gibt es Führungen in deutscher Sprache?
Ja, die Eremitage bietet offizielle Führungen in mehreren Sprachen an – darunter auch Deutsch. Die Nachfrage ist jedoch hoch und die Verfügbarkeit nicht garantiert. Ein Audioguide ist in mehreren Sprachen verfügbar, darunter Deutsch – ein zuverlässigerer und günstigerer Weg. Die Ausleihgebühr liegt bei etwa 500 Rubel (5 bis 6 Euro).
Praktische Tipps für einen reibungslosen Besuch
Nach meinen drei Besuchen (beim zweiten hatte ich mir eine Sehnenentzündung im Fuß geholt – keine gute Idee) hier meine wichtigsten Lektionen:
- Tragen Sie bequeme Schuhe. Sie werden 6 bis 10 Kilometer an diesem Tag zurücklegen. Das ist keine Übertreibung.
- Nehmen Sie Wasser mit, aber keine großen Taschen – die Garderobenpflicht betrifft Rucksäcke und große Taschen. Eine kleine Umhängetasche ist meist erlaubt.
- Fotografieren ist ohne Blitz erlaubt – Stativ und Selfie-Sticks sind verboten. Die Videoaufnahme ist in den Prunksälen oft erlaubt, in Sonderausstellungen meist nicht.
- Reservieren Sie Zeit für die Garderobe – in der Hochsaison können hier 20 bis 30 Minuten verloren gehen.
- Planen Sie eine Pause ein. Die Eremitage hat Cafés, die Preise liegen im gehobenen Bereich. Ich empfehle, einen Snack in der Stadt vorzubereiten und den Atriumhof zu genießen.
Was man vermeiden sollte
Ein Fehler, den fast alle Erstbesucher machen: Sie beginnen im Erdgeschoss (wo sich die archäologischen Sammlungen befinden) und verlieren hier wertvolle Energie. Gehen Sie stattdessen direkt in den ersten Stock zu den Prunksälen – und arbeiten Sie sich systematisch nach oben vor.
Ein weiterer Klassiker: Sie versuchen, alle 350 Säle in einem Durchgang zu schaffen. Resultat: Nach drei Stunden sind die Füße wund, der Kopf ist voll, und die schönsten Werke werden nur noch im Vorbeigehen wahrgenommen. Genießen Sie lieber 30 Räume richtig als 100 Räume oberflächlich.
Das Generalstabsgebäude: Die moderne Ergänzung
Viele Besucher übersehen das Generalstabsgebäude – dabei beherbergt es seit 2014 die Sammlung moderner Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, darunter Werke von Monet, Renoir, Cézanne, Picasso und Matisse. Der Bogen über dem Triumphbogen zur Schlossplatzseite ist ein Meisterwerk der Architektur.
Der Eintritt ist im Standardticket enthalten – aber die Prunksäle des Winterpalastes sind der eigentliche Anziehungspunkt. Die moderne Abteilung ist ruhiger und eignet sich perfekt für den Nachmittag, wenn die Massen den Winterpalast stürmen.
Mein Fazit nach drei Besuchen
Die Eremitage ist eines der wenigen Museen der Welt, die den Vergleich mit den Vatikanischen Museen oder dem Louvre nicht scheuen müssen – und das zu Recht. Aber sie hat eine Besonderheit: die einzigartige Verbindung von Palastarchitektur und Kunstsammlung. Nirgendwo sonst erleben Sie Kunst in einem so überwältigenden Rahmen.
Der Schlüssel liegt in der Vorbereitung. Wählen Sie die richtige Jahreszeit, buchen Sie Tickets im Voraus, kommen Sie früh, und setzen Sie Prioritäten. Dann wird aus dem „Wo fange ich an?"-Gefühl ein Tag, den Sie nie vergessen – und von dem Sie noch Jahre später erzählen.
Falls Sie Sankt Petersburg zum ersten Mal besuchen: Die Stadt selbst ist eine Reise wert. Die Eremitage ist ihr Herzstück – aber die Newa, die Kirche des Erlösers auf dem Blut und die Straßen der Innenstadt gehören genauso dazu wie ein Nachmittag in der Eremitage.
Bereiten Sie sich vor, gehen Sie neugierig hinein, und lassen Sie sich fallen. Die Eremitage hat eine Art, ihre Besucher zu verändern – ich spreche aus Erfahrung.